Öl in Napf und Trog - zwischen Wundermittel und Horrorgeschichten
- Robin Hoyer

- 27. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Öle gelten in der Tiernahrung längst als Wundermittel für glänzendes Fell, ruhige Haut, weniger Entzündungen... Ein Spritzer Lachsöl für den Hund, ein bisschen Leinöl fürs Pferd. Klingt herrlich einfach und müsste funktionieren.

Praktisch passiert leider oft etwas anderes:
Nichts.
Oder noch irritierender: das Gegenteil. In den sozialen Medien wird daraus dann gern ein "geheimer Mechanismus". Um den zu verstehen buche man doch gerne einen Kurs. Aber ganz ehrlich: Das Geheimnis ist gar keines.
Es ist schlicht Biologie - und ein kleines bisschen TCM.
Warum Öle oft nicht Wirken
Damit Öl überhaupt helfen kann, müssen drei Systeme funktionieren.
Die Bauchspeicheldrüse / Lipase, die Fette spaltet Beim Hund sind subklinische, also unentdeckte, Prankreas-Schwächen häufiger als gedacht. Katzen sind als reiner Fleischfresser (obligater Karnivor) mit einer sehr effizienten Fettverdauung ausgestattet, aber reagieren sehr sensibel auf zu viel Fett. Es besteht die Gefahr von Pankreatitis bei falscher Auswahl oder Überdosierung Mysthos: Das Pferd kann entgegen anderslautender Behauptungen sehr wohl Fett verdauen. Sie verwerten es nur in kleinen Mengen von 50 - 100 ml am Tag
Galle / Emulgierung für den Transport ins Blut Klassische Gallenprobleme behindern beim Hund die Fettaufnahme. Bei Katzen funktioneirt die Galle meist gut, aber sie oxidiert Fette schneller - bei ihr ist also die Qualität des Öls entscheidender. Ein Pferd hat keine Gallenblase (aber einen Gallenblasenmeridian ;-) ). Die Galle des Pferdes läuft Permanent. Das ist ein anderes, aber funktionierendes System.
Darmwand / Gesunder Darm, gute Resorptionsfähigkeit Eine entzündete oder verschleimte Darmschleimhaut kann Öl nicht aufnehmen. Beim Hund passiert das zum Beispiel bei Reizdarm. Auch Katzen haben manchmal Durchfall oder chronische Darmentzündungen. Pferde leiden oft unter Kotwasser oder Kolonreizungen, etc. Das Öl bleibt dann "oben drauf" und kann nicht resorbiert werden.
Öl ins Feuer - Manche Öle befeuern Entzündungen

Öl ist nicht gleich Öl. Diestel- und Sonnenblumenöl sind sehr reich an Omega-6, was dafür bekannt ist Entzündungsfördernt zu sein. Billige Öle oxidieren sehr schnell und können Haut und Immundsystem stressen. Leinöl ist für Hunde und Katzen leer. Für Katzen sogar noch mehr als für Hunde. Sie können das pflanzliche Leinöl (ALA) nur zu einem winzigen Bruchteil in die eigentlich wirksamen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA umwandeln (1 - 5%). Leinöl ist eher etwas für unsere Pferde.
Schwarzkümmelöl ist für Katzen gar nichts. Sie reagieren sehr empfindlich darauf - und es ist warm und scharf.
Ranzige Öle sind für alle tiere ein No-Go, aber bei Katzen besteht das Risiko von Leberschäden (hepatotoxisch)!
Und was sagt die TCM?
Öle gelten als Yin, Feuchtigkeit - und bei falscher Verarbeitung als "Schleim". Schleim ist nie gut. So kann es bei einem Hund mit Milz-Qi-Schwäche zu vermehrten Problemen mit Kot und Haut kommen, wenn Öl dazu kommt - ähnlich ist es bei einem Pferd mit schleimigen Husten oder Kotwasser.
Die Katze profitiert oft von Öl, wenn sie mit Hitze und Trockenheit zu tun hat, aber Feuchtigkeit und Schleim sind bei Katzen sehr häufig. Darum sollte man Öl sehr vorsichtig dosieren.
Woran erkennt man, dass das Öl hilft?
Gute Zeichen, dass das Öl das richtige ist und funktioniert: Das Fell glänzt, die Haut beruhigt sich, die Verdauung bleibt stabil, Juckreiz und Entzündungen nehmen ab, das Tier wirkt ausgeglichener.
Besonders ältere Tiere (Pferde!), profitieren sehr von der richtigen Dosierung des richtigen Öls, denn es baut ihre Substanz auf ohne dabei den Magen mit zu großen Futtermengen zu überlasten. Es empfiehlt sich aber die gewünschte Dosierung einzuschleichen.
Alarmzeichen wären hingegen: weicher Kot, Kotwasser, muffiger, fettiger Fellgeruch, mehr Juckreiz. Auch sind die Tiere oft nach dem Fressen müder als sonst. Zeigen Katzen plötzliche Übelkeit oder Futterverweigerung muss die Fütterung vom Öl sofort gestoppt werden.
Welche Öle sind sinnvoll?
Am wichtigsten ist eine gute Qualität vom (Bio-)Öl - und der Rest ergibt sich hä
ufig aus dem Futterplan. Wer schonmal gesehen hat, wie ein Pferd guckt, dass gerade eine Pille mit Fischöl zerbissen hat, der weiß: Fischöl und das Pferd... passen meistens nicht gut zusammen. Es gibt zwar seltene Fälle wo man dazu greift (sparsam), aber das ist eher selten. Ich bin ganz ehrlich: mir rollts ja beim Geruch von Fischöl auch die Fußnägel hoch.
Trotzdem: Für Hunde und Katzen ist das die erste Wahl. Am besten Lachsöl oder Sardinenöl (nicht das von euren Sardinen abgießen bitte). Geht das nicht, wäre die beste Alternative Algenöl. Ein Hund verträgt auch, ganz moderat ein bisschen Hanföl.

Pflanzenfresser, wie das Pferd, verarbeiten am Besten: Leinöl, Reiskeimöl (besonders gut für Energie und Muskulatur), Hanföl, Nachtkerzenöl, Walnussöl und in Spezialfällen auch Schwarzkümmelöl (in niedrigster Dosierung) oder Kokosöl.
Nochmal als Wiederholung: Schwarzkümmelöl ist toxisch für Katzen, ranzige Öle ebenfalls - wobei die ja in nichts und niemanden mehr hinein gehören, außer vielleicht in einen alten Dieselmotor.
Fazit: Kein Geheimnis. Verständnis.
Weder Hunde, Pferde noch Katzen reagieren mysteriös auf Öle. Es gibt keinen "geheimen Mechanismus", sondern drei einfache Voraussetzungen:
Verdauen können
Aufnehmen können
Das passende Öl zur Art und zum Tier wählen
Wenn das stimmt, wirkt Öl. Wenn es nicht stimmt, dann glänzt nur der Napf. Oder der Trog. Und wer das einmal verstanden hat, sieht viele "Omega-3-Empfehlungen" da draußen mit neuen Augen.
Einen Kurs besuchen macht übrigens schon Sinn - wenn nicht das falsche Geheimnis gelüftet wird. Zum Beispiel wenn man stattdessen etwas darüber lernt, welches Öl man wann in welchen Mengen einsetzen kann, ganz ohne Mysterien.


